Das Sternenkind Sarah
Von Heidrun Meinke, Ohrensen, für die Familie von Sarah

„Bald ist wieder Weihnachten. Letztes Jahr Weihnachten waren wir in der Sternenbrücke im Kinder-Hospiz in Hamburg. Weiß du das noch lillebror?“ fragte Lennart seinen kleinen Bruder Flemming. Lillebror ist schwedisch und heißt kleiner Bruder. Lennart liebte es lillebror zu sagen, weil er doch der große Bruder ist. Flemming murmelte unverständlich vor sich her und spielte weiter mit seinem Auto. „Weiß du noch, als ich dir mit meinem Rollstuhl über den Fuß gefahren bin, weil ich die Kurve nicht so schnell bekommen habe? Mama hat geschimpft und du hast sooooooo schön laut geweint.“ „Mmmmmh“, murmelte lillebror.

Lennart saß in seinem Therapiestuhl mit Spieltisch und wollte unbedingt die Aufmerksamkeit von seinem Bruder. Er konnte ja nicht laufen und seinen Bruder anstupsen, wie er es sonst normalerweise immer mit seinem Rollstuhl machte. Er hat „müde“ Beine, und das Haus ist zu klein und eng, hier darf er nicht mit seinem Rolli fahren. Lennart fing wieder an zu reden. „Lillebror? Weiß du noch letztes Jahr mit Sarah in der Sternen-brücke?“ Flemming horchte sofort auf. Ja – Sarah.

Von Sarah haben wir viel erzählt. Sie hatte ein so nettes lächeln und sprach immer sehr leise. Ihre Augen waren so schön braun und glänzend wie die von seinem Lieblingsbären Magnus. Als der Weihnachtsmann Heilig-abend mit seinem Glöckchen geklingelt hat und alle das Lied von der Stillen heiligen Nacht, mit dem geborenen Kind gesungen haben, hat er am nächsten Tag gehört, dass Sarah jetzt ein Sternenkind ist. Sie ist über die Brücke zu den Sternen gegangen. Alle durften noch zu ihr in das Zimmer und Tschüß sagen. Das war komisch, weil sonst immer so viel gelacht wurde hier im Kinder-Hospiz und nun haben alle geweint und sich umarmt.

Helga, Sarahs Mama, hat die kleine Schwester und den kleinen Bruder von Sarah getröstet und die beiden hatten keine Zeit mehr mit ihm zu spielen. Er war auch traurig. Von den großen Menschen hat er gehört, dass alle einmal Sternenkinder werden und selbst die Rollstuhlkinder auch über die Brücke zu den Sternen gehen. Laut sagte er: „ Das geht doch nicht!“ „Was geht nicht“, fragte Lennart sofort zurück. Er hatte seinen lillebror die ganze Zeit beobachtet. „Du kannst nicht mit den Rolli zu den Sternen!“ flüsterte er. Lennart lächelte und sagte ohne zu zögern: „ Lillebror du bist sooo dumm - sooo dumm! Im Himmel brauche ich keinen Rolli mehr, dann kann ich laufen. Ich bin dann doch ein Sternenkind!“

…und seht ihr nachts in den Himmel-und seht ihr einen kleinen Stern, so wird es Sarah sein. Und solltet ihr irgendwann einmal - zwei ganz kleine Sterne sehen - die ganz, ganz dicht nebeneinander stehen, vielleicht ist es dann doch Lennart mit seinem Rollstuhl….